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Unterrichtsmethoden
26. März 2026·4 Min. Lesezeit

Unterrichtsphasen erklärt: Einstieg, Erarbeitung, Sicherung, Übung, Transfer, Reflexion

Was steckt hinter den klassischen Unterrichtsphasen? Dieser Artikel erklärt alle sechs Phasen praxisnah – mit konkreten Beispielen und Tipps für den Schulalltag.

Wer einen Stundenentwurf schreibt, stößt schnell auf dieselben sechs Begriffe: Einstieg, Erarbeitung, Sicherung, Übung, Transfer, Reflexion. Doch was bedeuten diese Phasen genau – und was gehört in jede einzelne davon?

Dieser Artikel erklärt jede Phase klar und praxisnah, mit konkreten Beispielen aus dem Schulalltag.

Einstieg5–10 Min.

1. Einstieg – Aufmerksamkeit gewinnen, Vorwissen aktivieren

Der Einstieg hat zwei Aufgaben: Er holt die Schülerinnen und Schüler aus ihrer Alltagswelt ab und weckt Neugier auf das Thema der Stunde.

Was gehört in den Einstieg?

  • Ein provokantes Bild, eine Karikatur oder ein kurzes Video
  • Eine Leitfrage, die echte Gedanken auslöst
  • Ein Kurzimpuls, der an bekanntes Wissen anknüpft

Beispiel Biologie (Klasse 9): Die Lehrkraft zeigt ein Bild eines Krebsgeschwürs unter dem Mikroskop – ohne Erklärung. Die Klasse spekuliert. Erst dann folgt die Lernfrage: „Was unterscheidet eine gesunde Zelle von einer Krebszelle?“

Erarbeitung15–20 Min.

2. Erarbeitung – neues Wissen und Können aufbauen

Die Erarbeitungsphase ist der Kern der Stunde. Hier begegnen die Schülerinnen und Schüler dem neuen Stoff aktiv – nicht passiv.

Wichtige Grundsätze:

  • Differenzierung von Anfang an einplanen (Basismaterial, Vertiefungsmaterial)
  • Aktivierung durch Methoden wie Expertenpuzzle, Think-Pair-Share oder Stationenarbeit
  • Die Lehrkraft beobachtet und begleitet, erklärt nicht von vorne

Beispiel Geschichte (Klasse 8): Schülergruppen analysieren je eine Quelle aus verschiedenen Perspektiven zur Weimarer Republik. Ergebnisse werden im Klassenplenum zusammengeführt.

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Drei gut gewählte Methoden bringen mehr als zehn wechselnde. Wähle Methoden, die zur Aufgabe passen – nicht zum Abwechslungswunsch.
Sicherung5–8 Min.

3. Sicherung – Ergebnisse festhalten und klären

Nach der Erarbeitung ist das Wissen noch nicht gefestigt. Die Sicherungsphase sorgt dafür, dass alle Schülerinnen und Schüler die wichtigsten Ergebnisse verstehen und festhalten.

Typische Formate:

  • Tafelbild oder gemeinsam erstelltes Handout
  • Schülerpräsentationen mit Lehrkraft-Feedback
  • Kurzprotokoll im Heft

Wichtig: Die Sicherung ist keine bloße Zusammenfassung durch die Lehrkraft. Sie sollte möglichst aus der Klasse heraus entstehen.

Beispiel Mathematik (Klasse 7): Nach der Erarbeitung von Dreieckskongruenz nennen Schülerinnen und Schüler die vier Kongruenzsätze selbst. Die Lehrkraft ergänzt und klärt Missverständnisse.

Übung8–12 Min.

4. Übung – Wissen anwenden und automatisieren

In der Übungsphase wenden Schülerinnen und Schüler das Gelernte eigenständig an. Das Ziel ist Sicherheit durch Wiederholung – nicht das Kennenlernen neuer Inhalte.

Gute Übungsaufgaben sind:

  • klar gestellt und in Schwierigkeitsgrade gestaffelt
  • unmittelbar rückmeldbar (Selbstkontrolle, Partnerkontrolle)
  • kurz und fokussiert (lieber 5 gute Aufgaben als 20 mechanische)

Beispiel Englisch (Klasse 8): Nach einer Einheit zum Simple Past schreiben Schülerinnen und Schüler fünf Sätze über ihr letztes Wochenende. Partnerkontrolle mit Musterlösung.

Transfer5–10 Min.

5. Transfer – auf neue Situationen übertragen

Im Transfer zeigen Schülerinnen und Schüler, ob sie wirklich verstanden haben: Sie wenden das Gelernte auf einen neuen, unbekannten Kontext an.

Diese Phase wird am häufigsten weggelassen – ein Fehler. Ohne Transfer weiß die Lehrkraft nicht, ob echtes Verstehen stattgefunden hat oder nur oberflächliches Wiederholen.

Beispiel Physik (Klasse 9): Nach einer Einheit zu Hebeln sollen Schülerinnen und Schüler erklären, warum ein Flaschenöffner nach dem gleichen Prinzip funktioniert wie ein Kran – ohne Vorlage.

Reflexion3–5 Min.

6. Reflexion – Lernen sichtbar machen

Die Reflexion schließt die Stunde ab. Sie ist keine Zusammenfassung der Inhalte, sondern ein Blick auf den Lernprozess selbst.

Reflexionsfragen, die funktionieren:

  • „Was war heute neu für dich?“
  • „Wo bist du locker durchgekommen – wo hast du dich schwergetan?“
  • „Was nimmst du dir für die nächste Stunde vor?“

Die Reflexion braucht keine aufwendige Methode. Ein Minute-Paper, ein kurzer Austausch mit der Sitznachbarin, oder nur drei Sätze ins Heft reichen oft aus.


Alle sechs Phasen in der Praxis

Nicht jede Stunde braucht alle sechs Phasen in dieser Reihenfolge. Eine Übungsstunde startet mit kurzer Sicherung des Vorwissens, geht direkt in Übung und Transfer über. Eine Einführungsstunde legt den Schwerpunkt auf Erarbeitung und Sicherung.

ℹ️
Die sechs Phasen sind ein Werkzeugkasten – kein Zwangsrahmen.
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